Über

An einer Waldfläche an der Venner Allee im Kottenforst bei Bonn macht das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft gemeinsam mit dem European Forest Institute (EFI) mit der Veranstaltungsreihe „wald.anders.denken“ auf das Waldsterben im Kottenforst und auf die Bedeutung unserer Wälder für den Menschen und den Planeten Erde
aufmerksam.

Hintergrund des Projektes ist die Auszeichnung der Stadt Bonn zur „European Forest City 2020“ durch das European Forest Institute (EFI). Mit der Auszeichnung soll die besondere Bedeutung der Wälder und deren Wert für das Wohlbefinden der Stadtbewohner in Ballungsräumen hervorgehoben werden. Initiiert vom EFI und der Stadt Bonn wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bonner Waldgespräche“ gemeinsam mit verschiedenen lokalen Institutionen und Ministerien ein buntes und vielfältiges Programm organisiert. Das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft beteiligt sich unter anderem mit der Veranstaltungsreihe „wald.anders.denken“.


Der Wald, der sich an der Venner Allee über zwei Menschengenerationen entwickelt hatte, ist tot. Abgestorben durch Borkenkäferfraß und Dürre. Um das neuerliche Ausschwärmen der Käfer in weitere Bereiche zu stoppen, fällte das Forstamt die Bäume.
Doch vergebens – im Hintergrund stehen die abgestorbenen Gerippe der Bäume, die vor dem Zugriff des Käfers geschützt werden sollten. An ihnen entfaltet sich mahnend das Wort „Zeitenwende“. Die massiven Folgen des Klimawandels werden den Besucher*innen damit konkret vor Augen geführt und ins Bewusstsein gerufen. Sie bleiben kein abstraktes Phänomen, das sich immer nur ‚woanders‘ ereignet, sondern werden begreifbar.


Auf der Kahlfläche regt sich aber bereits neues Leben. Mit Mitteln des europäischen LIFE-Naturschutzprojektes „Villewälder“ haben die Förster bereits Eichen, Hainbuchen und Linden gepflanzt. Ein kleiner
Tümpel wurde für Springfrosch, Geburtshelferkröte und Co. als Laichort angelegt. Am Rande sollen weitere 13 Baumarten wie z.B. Esskastanie, Mehlbeere, Elsbeere, Roterle und die Vogelkirsche – in kleinen Gruppen gepflanzt – ihr Potential im Klimawandel auch in den europäisch bedeutsamen Wäldern des Kottenforstes demonstrieren. Auf all diese Baumarten und Mischwälder setzt wegen ihrer Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel auch das Waldbaukonzept NRW. Der benachbarte naturnah bewirtschaftete, alte Laubmischwald mit seiner natürlichen Verjüngung weist bereits den Weg zur Abkehr von reinen Fichtenwäldern. Die Stahlskulptur „Engel der Kulturen“ des bekannten Burscheider Künstlerehepaars Carmen und Gregor Merten am Wanderweg lädt den Waldbesucher zum Verweilen an diesem Ort und zur Auseinandersetzung mit anderen Blickwinkeln ein. Sie ist mit dem Schriftzug „Zeitenwende“ Symbol und Ausgangspunkt des Projektes „wald.anders.denken“. „Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wald gewinnt dem Vertrauten und Altbekannten neue Dimensionen ab“, so Projektinitiator Manfred Hören, zuständig für die Umweltbildung im Regionalforstamt RheinSieg Erft, „Die Welt hinter dem Tellerrand wird sichtbar, dem Betrachter eröffnen sich neue Einblicke“.


Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Wald fordert
dazu auf, genau hinzusehen. Sie bildet den Wald nicht nur ab oder
imitiert ihn. Sie überrascht durch neue Perspektiven als Sehnsuchtsort oder als Raum für Hoffnungen und Ängste.